✦ Stressregulation
Wenn dein Kind schreit, tobt, erstarrt oder völlig außer sich wirkt, erreichst du es nicht über Erklärungen.
Das erlebst du vielleicht auch in Situationen, die wir bereits im Artikel „Mein Kind hat Wutanfälle“ oder „Wenn dein Kind völlig überdreht ist und nicht hört“ beschrieben haben genau dort zeigt sich derselbe Mechanismus: das passiert nicht, weil du etwas falsch machst sondern weil sein Nervensystem gerade im Alarmmodus ist.
In genau diesen Momenten zeigt die Traumaforschung einen überraschend einfachen Hebel:
Körperwahrnehmung benennen.
Akutintervention – sofort anwendbar
Sprich langsam, ruhig und ohne Erwartung:
„Spür deine Füße am Boden.“
„Dein Rücken lehnt am Sofa.“
„Ich spüre meine Hände. Du kannst meine auch spüren.“
- Keine Fragen.
- Keine Erklärungen.
- Nur Benennen.
Diese Art der Co-Regulation ergänzt ideal andere Soforthilfen, wie wir sie auch im Artikel „Ruhig bleiben bei Eskalationen“ im Elternportal beschreiben.
Paradoxe Wahrheit
Je weniger du dein Kind beruhigen willst, desto schneller kann es sich beruhigen. Du führst nicht über Kontrolle, sondern über körperlich spürbare Sicherheit.
Warum das wirkt
Wenn konkrete Körperempfindungen benannt werden, passiert Folgendes:
- das Nervensystem wird im Hier und Jetzt verankert
- der Stresspegel sinkt messbar
- Selbstregulation wird wieder möglich
Diese Technik wird sowohl in der Traumatherapie als auch in der Krisenintervention eingesetzt (Bohnert 2024; Juen & Kratzer, 2023).
Was im Körper deines Kindes gerade passiert
In akuten Stresssituationen schaltet das Gehirn vom Denk- ins Überlebenssystem.
Sprache, Logik und Einsicht sind dann biologisch nicht verfügbar.
Die Traumaforschung zeigt klar:
Regulation gelingt in diesen Momenten nicht über Worte, sondern über den Körper – ein sogenannter Bottom-up-Prozess (van der Kolk, 2014).
Auch in der Notfallpsychologie wird betont, dass in akuten Ausnahmezuständen zuerst körperliche Orientierung und Wahrnehmung stabilisiert werden müssen, bevor Gespräche oder Erklärungen sinnvoll sind (Juen & Kratzer, 2023).
Dein Kind braucht im Ausnahmezustand keine Einsicht, sondern Verankerung.
Und diese beginnt nicht im Kopf, sondern im Körper.
Wenn du verstehen willst, warum dein Kind in solchen Momenten nicht „anders kann“ und wie Stress im Nervensystem gespeichert wird, ist The Body Keeps the Score eine fundierte, gut verständliche Lektüre für Eltern, die weniger eskalieren und mehr Sicherheit geben wollen.
Auch für dich als Elternteil entscheidend
Diese Technik ist kein reines Kinder-Tool.
Wenn DU im Stress bist:
- „Ich sitze.“
- „Meine Füße stehen fest.“
- „Ich atme ein. Ich atme aus.“
Studien aus der Stress- und Traumaforschung zeigen, dass elterliche Selbstregulation eine der stärksten Einflussgrößen für die Beruhigung von Kindern ist (Bohnert 2025).
Wann du genauer hinschauen solltest
- häufige Ausnahmezustände
- sehr lange Erholungsphasen
- starke körperliche Stressreaktionen
In diesen Fällen lohnt sich eine vertiefende Auseinandersetzung, etwa über den Bereich Trauma & belastete Biografien auf Erziehungsnotfall.com.
Zusammenfassend
Was du mitnehmen kannst:
→ Im Ausnahmezustand ist das Denkgehirn nicht erreichbar.
→ Körperwahrnehmung bringt das Nervensystem zurück ins Jetzt.
→ Co-Regulation beginnt immer bei dir.
Alltagstips
• Füße, Rücken, Hände benennen
• langsam sprechen
• präsent bleiben
• nicht erklären
• selbst regulieren
3 Do’s
✓ ruhig bleiben
✓ klar führen
✓ Beziehung halten
Warnsignale
⚠️ häufige Eskalationen
⚠️ fehlende Erholung
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Quellen
- Bohnert, Katharina (2025) Nervenstark verbunden: Selbstregulation von Kindern stärken – für mehr Geborgenheit, Wachstum und einen entspannteren Familienalltag Broschiert – 1.
- Van der Kolk, B. (2014). The Body Keeps the Score: Brain, Mind, and Body in the Healing of Trauma. New York: Viking.
- Juen, B., & Kratzer, A. (2023). Notfallpsychologie. Wien: Facultas.
